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Öffentliche Ausschreibungen in Zahlen: Auftragschancen in Milliardenhöhe
Die öffentliche Hand ist einer der größten Auftraggeber Deutschlands. Bund, Länder, Kommunen, Universitäten, Krankenhäuser und öffentliche Unternehmen benötigen nahezu alles, was auch in der Privatwirtschaft gebraucht wird: Bauleistungen, Fahrzeuge, Software, Büroausstattung, Energie, Beratung, Reinigung, Sicherheitsdienste, Kommunikation und vieles mehr.
Für Unternehmen eröffnet sich damit ein ausgesprochen vielfältiger Markt. Die Zahlen zeigen außerdem: Wer öffentliche Ausschreibungen systematisch beobachtet, kann auf einen kontinuierlichen Strom neuer Geschäftsmöglichkeiten zugreifen – oftmals mit weniger Wettbewerb, als viele Unternehmen vermuten.
Warum sich die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen lohnt
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Wie groß ist der Markt für öffentliche Aufträge?
Für das Jahr 2024 weist die amtliche Vergabestatistik 199.334 gemeldete öffentliche Aufträge und Konzessionen mit einem Gesamtvolumen von exakt 135,2262 Milliarden Euro aus. Sowohl die Anzahl der Vergaben als auch das gemeldete Volumen erreichten damit den höchsten Stand seit Beginn der bundesweiten Erfassung.
Gegenüber 2023 stieg die Zahl der gemeldeten Vergaben um rund zwei Prozent. Das Auftragsvolumen erhöhte sich sogar um etwa zehn Prozent, was der Bericht insbesondere auf eine größere Zahl von Großaufträgen mit mindestens 100 Millionen Euro zurückführt. Umgerechnet wurden 2024 im Durchschnitt rund 546 Aufträge pro Kalendertag vergeben. Der rechnerische Auftragswert lag bei ungefähr 678.000 Euro je Vergabe. Dieser Durchschnitt dient allerdings nur zur Größenorientierung: Viele kleinere Aufträge stehen einzelnen Projekten mit dreistelligen Millionenbeträgen gegenüber.
Die Zahl von 135,2 Milliarden Euro bildet zudem nicht den gesamten öffentlichen Einkauf ab. Die Statistik erfasst gemeldete, bereits vergebene Aufträge. Kleinere Beschaffungen und zahlreiche Direktaufträge fehlen. Zwar wurden 2024 freiwillig 10.667 Vergaben zwischen 1.001 und 25.000 Euro gemeldet, eine vollständige Abbildung dieses Marktsegments ist damit aber nicht verbunden.
Deshalb nennen breitere volkswirtschaftliche Schätzungen für den gesamten öffentlichen Einkauf deutlich höhere Werte. Je nach Abgrenzung ist von mehr als 300 bis rund 500 Milliarden Euro jährlich die Rede. Die OECD schätzte das öffentliche Beschaffungsvolumen Deutschlands auf etwa 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Diese Schätzungen sind nicht direkt mit den gemeldeten Einzelvergaben der amtlichen Vergabestatistik vergleichbar. Die belastbare Kernaussage lautet daher: Der gesamte öffentliche Beschaffungsmarkt umfasst mehrere Hundert Milliarden Euro im Jahr. Davon sind für 2024 Vergaben im Wert von 135,2 Milliarden Euro konkret in der amtlichen Vergabestatistik dokumentiert.

Exkurs: Was ist die öffentliche Vergabestatistik?
Die Vergabestatistik erfasst Daten zu vergebenen öffentlichen Aufträgen und Konzessionen in Deutschland. Zu den Pflichtangaben zählen unter anderem Auftraggeber, Auftragsgegenstand, Netto-Auftragswert, Verfahrensart und Vertragsdatum sowie Angaben zu Nachhaltigkeitskriterien und dazu, ob der Auftragnehmer ein kleines oder mittleres Unternehmen ist.
Der Umfang der Meldung hängt vom Auftragswert ab: Ab den EU-Schwellenwerten sind umfangreichere Angaben verpflichtend. Unterhalb dieser Schwellenwerte müssen öffentliche Auftraggeber grundsätzlich Aufträge mit einem Wert von mehr als 25.000 Euro netto melden; Angaben etwa zur Anzahl der Angebote, zu Zuschlagskriterien und zum Herkunftsland des Auftragnehmers sind dort freiwillig. Die Statistik bildet deshalb nicht den gesamten Vergabemarkt ab: Für Aufträge bis einschließlich 25.000 Euro netto besteht keine Meldepflicht. Auch Konzessionen unterhalb der EU-Schwellenwerte und bestimmte gesetzlich ausgenommene Vergaben sind nicht verpflichtend erfasst.
Anmerkung: Die aktuelle Vergabestatistik (Veröffentlichung im August 2026) bezieht sich auf das Jahr 2024. Sie kann hier kostenlos heruntergeladen werden.
Eine Fülle neuer Auftragschancen für Unternehmen
Bis Ende 2024 waren 11.524 Berichtsstellen registriert. Teilt man die Zahl der gemeldeten Vergaben durch die Zahl der Berichtsstellen, ergeben sich rechnerisch rund 17 Vergaben pro Stelle und Jahr. Dieser Wert ist allerdings kein typischer Durchschnitt für eine einzelne Behörde. Zentrale Beschaffungsstellen können Hunderte Verfahren durchführen, während kleinere Kommunen nur wenige meldepflichtige Aufträge vergeben.
Die Kommunen stellen zahlenmäßig die größte Auftraggebergruppe dar. Auf sie entfielen 2024 insgesamt 105.872 Vergaben und damit rund 53 Prozent aller gemeldeten Aufträge. Es folgten die Länder mit 59.477, der Bund mit 24.284 und die sonstigen Auftraggeber mit 9.701 Vergaben.
Beim Volumen sieht das Bild anders aus: Der Bund lag mit 48,4 Milliarden Euro an der Spitze, gefolgt von den Kommunen mit 39,3 Milliarden, den Ländern mit 31,6 Milliarden und den sonstigen Auftraggebern mit 16 Milliarden Euro. Auf Bundes- und Landesebene werden somit vergleichsweise weniger, dafür aber häufiger besonders große Aufträge vergeben.
In welchen Bereichen wird besonders viel vergeben?
Die Vergabestatistik unterscheidet im Wesentlichen zwischen Bau-, Liefer- und Dienstleistungsaufträgen. Für 2024 ergibt sich folgende Verteilung:
| Auftragsart | Anzahl | Anteil | Volumen | Volumenanteil |
| Bauaufträge | 95.015 | 47,67 % | 47,654 Mrd. € | 35,24% |
| Dienstleistungsaufträge | 60.190 | 30,20 % | 44,470 Mrd. € | 32,89 % |
| Lieferaufträge | 44.124 | 22,14 % | 43,050 Mrd. € | 31,84 % |
Hinter diesen Oberkategorien verbirgt sich ein breites Spektrum. Zu den häufigsten Bereichen gehörten 2024 neben Bauarbeiten unter anderem Architektur- und Ingenieurleistungen, Transportmittel, Reinigungs- und Umweltschutzdienste, Unternehmensdienstleistungen sowie Software und Informationssysteme.
Die Statistik zeigt damit deutlich: Öffentliche Aufträge sind keineswegs nur für Baukonzerne interessant. Auch IT-Unternehmen, Beratungen, Ausstatter, Handwerksbetriebe, Planungsbüros, Reinigungsunternehmen, Weiterbildungsanbieter und zahlreiche spezialisierte Dienstleister finden regelmäßig passende Verfahren. Bei der hohen Zahl der Bauaufträge ist allerdings eine methodische Besonderheit zu beachten: Einzelne Baulose werden teilweise als eigenständige Aufträge gemeldet. Die Zahl der Bauvergaben dürfte dadurch etwas überzeichnet sein.
Viele Verfahren erhalten nur ein Angebot
Besonders interessant für potenzielle Bieter ist die Zahl der eingegangenen Angebote. Im Jahr 2024 verteilten sich die gemeldeten Vergaben wie folgt:
| Eingegangene Angebote | Vergaben | Anteil |
| Ein Angebot | 45.607 | 22,88 % |
| Zwei bis drei Angebote | 57.233 | 28,71 % |
| Vier oder mehr Angebote | 57.643 | 28,92 % |
| Keine Angabe | 38.851 | 19,49 % |
Damit wurde bei knapp 23 Prozent aller gemeldeten Vergaben lediglich ein Angebot eingereicht. Das sind 45.607 Aufträge – also fast jede vierte Vergabe. Auf Bundesebene war “ein Angebot” sogar die häufigste Kategorie: Von 24.284 Vergaben des Bundes erhielten 8.457 nur ein Angebot. Das entspricht knapp 35 Prozent. Auch bei den sonstigen Auftraggebern wurde ein einzelnes Angebot häufiger gemeldet als die anderen Kategorien.
Für Unternehmen ist das eine wichtige Erkenntnis. Der öffentliche Markt ist groß, aber nicht jedes Verfahren ist von Bietern überlaufen. Wer eine geeignete Ausschreibung findet, die Anforderungen erfüllt und ein formal korrektes Angebot einreicht, trifft teilweise auf überraschend wenig Konkurrenz. Gleichzeitig zeigt sich eine positive Entwicklung: Gegenüber 2023 gingen 2024 häufiger mehrere Angebote ein. Bei Vergaben oberhalb der EU-Schwellenwerte erhielten mehr als 67 Prozent mindestens zwei Angebote; bei knapp 35 Prozent gingen sogar vier oder mehr Angebote ein.
Was bedeutet “keine Angabe”?
Bei rund 19,5 Prozent aller Vergaben fehlt eine Information zur Zahl der Angebote. Das betrifft vor allem Aufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte, bei denen diese Angabe freiwillig ist. Von den insgesamt 175.742 unterschwelligen Vergaben enthielten rund 22 Prozent keine entsprechende Angabe. Dieser Anteil ist gegenüber den Vorjahren gesunken: 2021 lag er bei ungefähr 30 Prozent, 2022 bei 26 Prozent und 2023 bei 23 Prozent.
Die Kategorie "keine Angabe“ bedeutet nicht, dass kein Angebot eingegangen ist. Sie bedeutet lediglich, dass die Zahl der Angebote nicht gemeldet wurde. Wie viele Ausschreibungen tatsächlich überhaupt kein Angebot erhielten, lässt sich aus der Vergabestatistik nicht ablesen. Erfasst werden vergebene Aufträge. Erfolglose oder aufgehobene Verfahren ohne Zuschlag sind daher nicht als eigene Gesamtzahl enthalten.
Der Mittelstand ist der wichtigste Auftragnehmer
Öffentliche Aufträge sind kein exklusives Geschäft für Großkonzerne. Im Jahr 2024 wurden 163.215 Aufträge an den Mittelstand vergeben. Das entspricht 82,09 Prozent aller gemeldeten Vergaben. Das zugehörige Auftragsvolumen betrug rund 56,3 Milliarden Euro. Besonders hoch war der KMU-Anteil auf kommunaler Ebene: Dort gingen 91.832 Aufträge beziehungsweise knapp 87 Prozent aller Vergaben an KMU. Beim Bund lag der Anteil bei rund 69 Prozent, bei den Ländern bei knapp 81 Prozent.
Die KMU-Zahlen sind allerdings nur eingeschränkt mit früheren Jahren vergleichbar. Für 2024 wurde die Methodik zur Bestimmung der KMU-Eigenschaft geändert. Dadurch wurden 26.419 Vergaben neu bewertet. Die zentrale Aussage bleibt dennoch deutlich: Der Mittelstand gewinnt die große Mehrheit der öffentlichen Aufträge.
Vergabeverfahren sollen grundsätzlich so gestaltet werden, dass sich sich nicht nur Großunternehmen beteiligen können. Größere Vorhaben werden deshalb häufig in Fach- oder Teillose aufgeteilt. Ein Unternehmen muss also nicht zwingend einen vollständigen Großauftrag übernehmen, sondern kann sich gezielt um den Teil bewerben, der zur eigenen Leistung und Kapazität passt.
So finden Sie Ausschreibungen, ohne zahlreiche Portale einzeln zu durchsuchen
Die große Chance des öffentlichen Marktes bringt eine praktische Herausforderung mit sich: Ausschreibungen verteilen sich in Deutschland auf zahlreiche Bundes-, Landes-, Kommunal- und Fachportale. Für Unternehmen ist es kaum möglich, alle relevanten Stellen fortlaufend einzeln zu kontrollieren.
Das Deutsche Ausschreibungsblatt bündelt nahezu 100 Prozent der deutschen Bekanntmachungen aus relevanten Vergabeportalen und mehr als 20.000 weiteren Quellen in einer zentralen Ausschreibungsdatenbank. Die Datenbank enthält jährlich mehr als 260.000 Bekanntmachungen. Unternehmen können die Ergebnisse unter anderem nach Branche, Region, Entfernung, Auftragsphase und Aktualität filtern und sich automatisch über passende neue Ausschreibungen informieren lassen.
Dadurch sinkt das Risiko, interessante Auftragschancen allein deshalb zu verpassen, weil sie auf einem bislang unbekannten Portal veröffentlicht wurden. Statt zahlreiche Quellen manuell zu durchsuchen, können Unternehmen ihre Suchprofile passend zum eigenen Leistungsangebot definieren und neue Vergaben fortlaufend beobachten. Aus einer unübersichtlichen Portallandschaft wird so ein systematisch bearbeitbarer Vertriebskanal.
Öffentliche Aufträge als wichtiger Vertriebskanal
Der öffentliche Beschaffungsmarkt ist groß, vielfältig und kontinuierlich aktiv. Allein die amtliche Statistik dokumentiert für 2024 fast 200.000 vergebene Aufträge mit einem Volumen von mehr als 135 Milliarden Euro. Der gesamte öffentliche Einkauf dürfte einschließlich kleinerer und nicht erfasster Beschaffungen mehrere Hundert Milliarden Euro umfassen.
Gleichzeitig erhielt fast jede vierte gemeldete Vergabe nur ein Angebot. Mehr als acht von zehn Aufträgen gingen an KMU. Beides zeigt: Öffentliche Ausschreibungen sind nicht nur ein Markt für große Konzerne und auch nicht zwangsläufig von zahlreichen Wettbewerbern umkämpft.
Der Einstieg muss dabei nicht mit einem Großprojekt beginnen. Ein regionaler Lieferauftrag, eine überschaubare Dienstleistung oder ein einzelnes Fachlos kann ausreichen, um erste Erfahrungen und öffentliche Referenzen zu sammeln. Wer den Markt kontinuierlich beobachtet, geeignete Ausschreibungen früh erkennt und seine Unterlagen sorgfältig vorbereitet, kann aus öffentlichen Aufträgen einen verlässlichen zusätzlichen Vertriebskanal entwickeln.
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Quelle und weitere Informationen zur Vergabestatistik: Statistisches Bundesamt | Vergabestatistik

Bettina Giemsa (M.A.) ist Online Marketing Managerin und Blogredakteurin beim Deutschen Ausschreibungsblatt. Mit ihrem fundierten Hintergrund in der Technologiebranche und langjähriger Erfahrung in internationaler Kommunikation bereitet sie verlässliches Fachwissen rund um das Thema öffentliche Ausschreibungen auf.
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